Im nachfolgenden chronologischen Aufbau, möchten wir den Werdegang der Gereuther Feuerwehr, von der um etwa 1820 noch genannten „pflichtgemäßen Wehr“, über die anno 1893 erfolgte Umwandlung und vereinsmäßigen Organisation einer „Freiwilligen Feuerwehr“, der hingenommen „Gleichschaltung“ und Degradierung zu einer „Hilfspolizeitruppe im 3. Reich“ bis zur demokratisch satzungsgemäßen Reorganisation als FFW im Jahre 1953, der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Die nachfolgenden Daten wurden aus der „Dokumentation der Ausstellung zur Geschichte der Gereuther Feuerwehr – anlässlich des 100 jährigen Jubiläums der FFW Gereuth im Jahre 1993 – zusammengestellt durch den ehem. Gemeinderat Ekkehart Koser“ entnommen.

Für diese umfangreiche Aufstellung und Ausarbeitung möchten wir uns an dieser Stelle nochmals bei Frau Marienne Keh, Herrn Erich Meixner (sen.) († 2011) und dem damaligen Gemeinderat Ekkehart Koser († 2016), herzlich bedanken.

Die allerältesten Urkunden stellen einen Auszug aus dem Gemeinde-Rechnungsbuch von

1825/26 dar:
Damals mußten eine "Ausgab Geld ... für Zurechtrichtung einer Feuerhakenstange an einen Heinrich Deublein - 12 Groschen" bezahlt werden. Der Verschleiß an Stangen war anscheinend sehr groß, denn bereits

1826/27
wurden wieder "30 Groschen für 2 Stangen in die Feuerspritzen zu machen von Heinrich Deublein lt. Quittung Nr. 23" kassiert. Es ist festzustellen, dass auch im Jahre

1828
die Gereuther Feuerwehr einmal etwas in "Coburg der Feuerspritzen wegen zu tun" hatte. Dies beweist Z.B. die "Gereuther Gemeinde-Rechnung aus dem Jalire 1829 über 14 Groschen" an einen gewissen Christoph.

1830
listet die Gereuther Gemeinde Rechnung aber auch bereits Kosten für das "lt. Attest" verordnete Löschen innerlicher Brände mittels "etlicher Maß Bier" bei einem Brandeinsatz im nahen Lahm auf.

1856
muss in Gereuth schon eine Löschmaschine vorhanden gewesen sein, denn der Zimmermeister Steinert aus Memmelsdorf bekam 3 Gulden 20 Groschen für ihre Reparatur und der Georg Schad 12 Groschen wieder einmal für einen neuen Feuerhaken: Nachzulesen in der "Duplicat-Rechnung der Landgemeinde Gereuth, damals im Kreis Unterfranken und Aschaffenburg".

1860
am 17. Juni war die Feuerspritze anscheinend schon wieder kaputt und musste repariert werden, doch den Segen der Gereuther Gutsherrschaft wollte man einvernehmlich dazu haben. Schließlich hatte die Feuerwehr Gereuth kein eigenes Spritzenhaus und blieb auf die "Priegersche Gutsherrschaft und ihre leere Scheune" bis ins Jahr 1911 angewiesen!

1865
war dem "Königlich Landgerichtlichen Befehl zur Feuereimer-Zählung" Genüge geleistet worden. Allerdings „stellte Gemeindevorsteher Deublein den Antrag, die in sehr ruinösem Zustande sich befindenden Feuerleitern einer bedeutenden Reparatur zu unterwerfen und wenigstens eine derselben neu herzustellen"!

1867
befasste sich die Gemeinde Gereuth bei ihrer Sitzung in der Schule mit dem Gedanken, eine Feuerlöschordnung zu entwerfen. Diese wurde drei Jahre später bereits revidiert und weitere drei Jahre später anscheinend in eine endgültige Fassung gebracht.

1885
am l. März "wird von dem Bürgermeister und dem Comandanten der Gereuther Pflichtfeuerwehr beschlossen, drei Übungen an bestimmten Tagen abzuhalten, wenn nicht durch besondere Vorfälle ein Hindernis eintritt".

1892
nun war die Gereuther Wehr wieder einmal im Brandeinsatz; Das Protokollbuch am 21. Februar bezeugt, dass auch ein altes Löschgerät es durchaus in Qualität und Leistung mit einem neuen, teureren Gerät aufnehmen kann: Der Löscheinsatz war diesmal in Obermerzbach und was die Leistungsfähigkeit der eigenen (alten) Löschmaschine betraf, "so leistet dieselbe noch mehr als eine neue für 600 Mark", so dass der Antrag auf eine Neuanschaffung für die Pflichtwehr begründet abgelehnt werden konnte.

1893
endlich, am 15. Januar schlägt die Geburtsstunde der "Freiwilligen" Feuerwehr Gereuth. Leider ist die
Gründungsurkunde verschollen. Doch die FFW Gereuth gab sich zwei Jahre nach der Vereinsgründung am 17. Februar 1895 "folgende Statuten":
§1 Zweck der freiwilligen Feuerwehr ist ein möglichst geordnetes Zusammenwirken bei Feuersgefahr im Ort und in der Umgebung
§5 teilt die ordentlichen Mitglieder "in Steiger, Spritzenmänner und Ordnungsmänner" (heute Angriffs-, Schlauch- und Wassertrupp).
§35 begrenzte die jährlichen Übungen auf sechs und der wichtige
§12 regelte den "unehrenhaften Ausschluß"

1896
verfasste die FFW Gereuth ein "Rundschreiben" und fordert die Ortseinwohner auf, sich recht zahlreich zu engagieren. Zwar zählte man 30 aktive Feuerwehrmänner, die zudem noch 10 Pfennig Monatsbeitrag leisteten, doch der zahlenden (passiven) Mitglieder waren zu wenig, weswegen "der Verwaltungsrat es jedem überläßt, den monatlich zu leistenden Beitrag selbst zu bestimmen, und (er)stellt zu diesem Zweck ein Verzeichnis auf, worin jeder durch Unterschrift sich zum Beitritt verpflichtet und in einer Rubrik den monatlichen Beitrag angibt, den er zu leisten gedenkt."

1897
Dato beurkundet das Protokollbuch der Gemeinde Gereuth, dass die Räte in ihrer Sitzung am 28. November 1897 gewillt waren, die Freiwillige Feuerwehr Gereuth bereits mit einer moderneren, guten und eigentlich recht teuren Spritze auszurüsten, auch wenn sie nicht genug Bargeld hatten: Die "Gemeinde Gereuth bestellt bei der Firma Justus Christian Braun in Nürnberg eine vierräderige Saug- und Druckspritze nach dessen Preisliste, Größe BS II Abbildung No.11, mit dem in derselben bezeichneten Zubehör nach Katalog Ausgabe 1896/7 mit Schlauchhaspel hinten, Requisitenkasten unter den Bock zum Preise von 850 M(ark), mit Worten: Achthundertfünfzig Mark. Zahlbar sind 600 M im Juli 1898, der Rest von 250 M wird in Raten nach Maßgabe der Unterstützungen innerhalb von 3
Jahren gezahlt. Die vom Juli 1898 stehenbleibenden Beträge werden mit 4 % verzinst und hierüber von der Gemeinde Schuldscheine ausgefertigt. Die Ablieferung hat in circa 10 Wochen franco Station Ebern zu erfolgen. Für Leistungsfähigkeit und sorgfältige Arbeit hat die Fabrik 5 Jahre Garantie zu übernehmen"

1898
am Neujahrstag dann zeigte sich, wozu "Statuten" gut sein können: Protokolliert wurde folgendes: "Der Steiger Gg. Kraus wurde wegen unehrenhaften Benehmens, groben Unfugs und Beleidigung des ganzen Vereins (Lumpenverein, Sch. auf d. V.) bei der heutigen Generalversammlung sofort aus dem Verein ausgeschlossen“ Siebzehn ordentliche Mitglieder waren seinerzeit anwesend und hatten solches beschlossen.
Im selbigen Jahr war man sich einig, dass das in der "Landgemeinde Gereuth" angehäufte Kapital von 596 Mark und 40 Pfennigen "behufs Anschaffung einer neuen Feuerlöschmaschine" bestimmungsgemäß verwendet worden war. Eine neue, übrigens noch original erhaltene und auf dem
Festgelände aus Anlass des Jubiläums zu besichtigende Feuerlöschmaschine hatte nunmehr hergemusst. Geschehen war dies bereits

1898 6. Mai
die Gemeinde Gereuth beschloss, nachdem sie ihre neue Spritze (auf Pump) und zu besonderen Bedingungen bereits geordert, - das Zubehör aber anscheinend vergessen hatte -, noch rasch als Feuerwehrnachschlag, “bei der Firma Braun in Nürnberg 40 m Schläuche mit Gewinden zu bestellen und zwar je 2 x 15 m Länge und 1 x 10 m Länge. Die Zahlung erfolgt mit dem Schuldkapital der Spritze innerhalb 3 Jahren und wird mit 4 % verzinst". Nun war zwar eine schöne neue Feuerwehrspritze vorhanden, aber noch immer fehlte das Spritzenhaus für das moderne Löschgerät!

alte_pumpe
Historische Feuerwehrpumpe v. 1898 am 100-jährigen Jubiläum der FW Gereuth

1904
versuchte die FFW Geld anzuschaffen. Allerdings folgte der "Strafbefehl am 8ten Juli" auf dem Fuß: "Der Schloßdiener Renker, Johann" wurde von der Gendarmerie bzw. dem Kgl. Amtsgericht Ebern in seiner Eigenschaft als Vorstand der FFW verknackt auf 5 Mark, ersatzweise 1 Tag Haft, weil die FFW "während der Fronleichnamsoktave in der Wirtschaft zu Gereuth unbefugt eine Tanzveranstaltung veranstaltet" hatte!

1911
erst machten Feuerwehrverein und Gemeinde dann endlich Nägel mit Köpfen: Die Not, kein Geld für ein neues Spritzenhaus zu haben, bewegte den freiwilligen Feuerwehrverein damals (wieder) zur Abhaltung einer Faschings(tanz)veranstaltung! "Das Königlich Bayerische Bezirksamt Ebern wurde am 17. Januar 1911 um Erlaubnis ersucht, am Sonntag, dem 5. Febr. (des) Ifd. Jr. im Saale der hiesigen Wirtschaft einen Familienabend mit humoristischer Unterhaltung zu geben, zu dem auch Nichtmitglieder eingeladen werden sollen. Der unterzeichnete Verein bittet, das Kgl. Bezirksamt Ebern wolle ihm hierzu Erlaubnis erteilen. Den Überschuss an Eintrittsgeld (..) will der Verein zum Teil als Beitrag zur Erbauung eines neuen Spritzenhauses verwenden. Der Tanz scheint ein voller Erfolg geworden zu sein, denn im selben Jahr ging es mit dem Neubau noch los! Das Jahr 1911 brachte für die Gemeinde Gereuth erhebliche Ausgaben für den Bau des neuen Spritzenhauses, wie der Betrachter der Ausstellung auf dem Festgelände selbst aus den zahlreichen Rechnungsaufstellungen für vielerlei erfolgte Dienstleistungen entnehmen kann: Angefangen von der Reinigung der Feuerspritze, den diversen Maurer-, Zimmerer-, Schlosser-, Schmiedearbeiten, den Fuhrdiensten für Steine und Sand usw. Nachdem auch das Spritzenhaus gebaut und die Spritze schließlich auch schon abgezahlt war, schienen die Finanzen in Gereuth wieder besser auszusehen:

1914
an des Kaisers Geburtstag, am 1. Februar, spendierte sie den Feuerwehrlern zur "Verabreichung 14 Liter Bier und 28 Zigarren", für sage und schreibe 10,70 Mark. Allzu viel schien sich bei der Gereuther Feuerwehr in den Folgejahren nicht mehr zu tun: Man war wohl zufrieden und brannte halt ab und zu weiterhin Zigarren auf Feuerwehrkosten ab. So zuletzt aktenkundig anno

1915
im Monat Oktober. Leider konnten die 135 Zigarren nicht zuhause genüsslich geschmaucht werden, sondern mussten aus Kriegsgründen den kaiser-reichlich Dienenden "ins Feld" geschickt werden.

Einen radikalen Eingriff in die scheinbare Idylle der Freiwilligen Feuerwehr Gereuth gab es dann allerdings mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ab dem Jahre 1933.

 

Ab 1933 Die Zeit des 3. Reiches

war auch für die Gereuther Freiwillige Feuerwehr ein trübes Kapitel:

Bis 1933 gab es den erforderlichen Nachwuchs für die FFW aus einer genügenden Anzahl von freiwilligen Meldungen.

Dies änderte sich mit einem Schlage, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen und jeden Deutschen in SA, SS, NSKK (NationalSozialistisches Kraftfahrer Korps), Fliegerkorps, Hitlerjugend und wie die Gruppierungen alle hießen, Z.T. mehrfach einspannten. In den Jahren nach 1933 machte sich also nicht nur ein Nachwuchsmangel, sondern auch ein dauernder Mannschaftsmangel bemerkbar. Überdies kam es auch in Bayern zu einer offenen Fehde zwischen den Freiwilligen Feuerwehren und der SA, die sich über die folgenden 12 ("tausendjährigen") Jahre noch verstärkte. Vor allem, als bekannt wurde, dass 1937 die gesamte Organisation der Freiwilligen Feuerwehren nahtlos in die SA -als sogenannte "SA-Feuerwehrstürme" übergehen sollte. Dies ist nach dem Reichsfeuerlöschgesetz dann doch nicht geschehen. Die Berufsfeuerwehren jedoch wurden zur Feuerschutzpolizei geschaltet, so dass den Freiwilligen Feuerwehren der Weg zur Hilfspolizeitruppe vorgezeichnet war. Den Feuerwehren wurde nunmehr trotz aller Pflichterfüllung eine unsoldatische Haltung vorgeworfen. Es musste nun nichtmehr nur -wie bei der FFW Gereuth- sechsmal im Jahr geübt werden, sondern fast überall wöchentlich einmal!'. Außerdem musste dem "Fußdienst" und dem Auftreten in der Öffentlichkeit fortan noch mehr Beachtung geschenkt werden.

Waren vor 1933 die Freiwilligen Feuerwehren parteipolitisch neutral, so wurden nunmehr durch die Kreisleiter der NSDAP auch die Feuerwehrvereine, wie fast alle anderen Vereine auch, zügig "gleichgeschaltet". Die Freiwilligen Feuerwehren bezeichnete man im Gesetz als "Polizeiexekutive besonderer Art" oder kürzer als "Feuerlöschpolizei". Damit wurden sie der Ortspolizei unterstellt. Äußerlich zeigte sich dies an den Polizeihoheitsabzeichen an Uniformrock und Mütze. Ein weiteres großes Problem aber war, dass sich das nunmehr gültige und fest verankerte "Führerprinzip" des nationalsozialistischen Staates mit den Satzungen der eingetragenen Feuerwehrvereine und den darin verankerten freien Wahlen nicht vertrug. Ende 1937 hatten die Freiwilligen Feuerwehren bereits über ein Drittel ihres Mannschaftsbestandes verloren, so dass nunmehr die Feuersicherheit der Gemeinden teilweise gefährdet erschien. Die Freiwilligen Feuerwehren, als technische Hilfspolizeitruppen, waren ja als örtlich unabhängige Organisationen restlos zerschlagen. Verschiedentlich mussten nun Frauen bei der Brandbekämpfung vor Ort tatkräftig ihren Mann, bzw. ihre Frau stellen.

Leider konnten die Verantwortlichen aus dieser Zeit keine örtlich relevanten Dokumente präsentieren; im Gemeindearchiv war diesbezüglich nichts zu finden; die betreffenden Polizeiarchive ihrerseits waren nicht so einfach zugänglich.

1953
erst kehrt die Feuerwehr Gereuth zu ihrer Wurzel mit einer demokratisch gewählten Führung zurück: Sie reorganisiert sich wieder als Freiwillige Feuerwehr Gereuth und gibt sich eine neue Satzung.

1955
Erich Meixner (sen.) wird Kommandant der FFW Gereuth

1964
endlich finden sich wieder erste interessante Protokollnotizen: Nach 66 Jahren Dienst entschied sich der Gemeinderat Gereuth für eine neue Motorspritze: eine "Tragkraft-Spritze" (TS) 8/8 mit VW-Motor und ein Bulldog-Anhänger zu über 11 000 DM sollte es schon sein. 

1981
hat die Gereuther Feuerwehr ein kleines Fest: Ihr Kommandant Erich Meixner (sen.) feierte das 25-jährige Dienst Jubiläum in eben der Gereuther Wehr.

1986
Reinhold Meixner wird Kommandant der FFW Gereuth.

1991
Nur 27 Jahre nach ihrer Anschaffung ist die T S 8 auch schon "out": Die Werksfeuerwehr FAG Kugelfischer Ebern "spendiert" den Gereuthern endlich ein "neues, echtes, selbstfahrendes altes" Feuerwehrauto des Typs LF 8. Mit Engagement sorgt der derzeitige Kommandant Reinhold Meixner dafür, dass die Männer der FFW nun Fahrzeug und Gerätehaus zügig umbauen. 35 aktive, vielfach leistungsgeprüfte und –dekorierte Feuerwehrleute zählt man zur Zeit in dem kleinen Dörfchen Gereuth. Zum Zeitpunkt der Gründung 1893 waren es allerdings auch schon damals 30!

gruppe1
Gruppe 1 mit dem neuen Löschfahrzeug

gruppe2
Gruppe 2 mit dem neuen Löschfahrzeug

1993
Man sieht: Die Feuerwehr in Gereuth hat echte Tradition!
100 Jahre FFW Gereuth. Die Festlichkeiten bestätigen den Zusammenhalt in der Gruppe.

2008 November
Baubeginn des neuen Feuerwehr-Gerätehauses
spatenstich

 

2011 9. Juli
Einweihung des neuen Feuerwehr-Gerätehauses
einweihung
Quelle: infranken.de

2013 20. Juli
Abholung des neuen LF 8/6
fahrzeugabholung

 

2017 Sebastian Meixner wird Kommandant der FFW Gereuth.

2018 Anschaffung und Umbau unseres MTW Gereuth 14/1

2019 Indienststellung unseres MTW Gereuth 14/1